Der Heilige Geist vor Gericht

Aus gegebenem Anlass (unsere Gerichtsverhandlung zum Kirchenasyl letzte Woche, bei der ja auch einige mit dabei waren) habe ich jetzt über Hinweise Jesu für Christen vor Gericht nachgedacht. Um es vorweg zu sagen: an Stellen wie Markus 13,9-11 ist natürlich von brutaler Christenverfolgung die Rede, und darum ging es bei uns nicht. Trotzdem: wenn Jesus sagt, dass wir vorher unsere Worte nicht planen sollen, sondern uns vom Heiligen Geist leiten lassen sollen, dann kann man das sicher auch für so eine Situation gelten lassen.

Anscheinend ist eine Gerichtsverhandlung in Jesu Augen eine verheißungsvolle Situation: man kann da ganz besonders mit dem Heiligen Geist rechnen. Ich finde das eine wichtige Ergänzung zu all der Lobpreis-Theologie, die wir sonst auch kennen. Es muss eben kein mit besonderer Kreativität und Können vorbereiteter Gottesdienst sein. Gerade mitten in den sehr weltlichen Kämpfen und Entscheidungssituationen sollen wir mit Gottes Präsenz rechnen. Das war ja auch eine der Erkenntnisse Dietrich Bonhoeffers aus seiner Haftzeit.

Warum aber die Warnung davor, sich vorher alles gut zurechtzulegen?

  1. Wir sollen uns sowieso keine Sorgen machen, und deshalb auch nicht vor einer Gerichtsverhandlung.
  2. Ängstliches Grübeln vorher macht eher schwach.
  3. Der Heilige Geist hilft uns, die Situation zu erspüren und auf sie einzugehen. Eine vorher eingeübte Strategie kann da hinderlich sein, denn es kommt leicht ganz anders als gedacht, und dann kann man nicht so schnell umschalten.
  4. Eine Gerichtsverhandlung – so habe ich es erlebt – ist tatsächlich im aktenorientierten Justizbetrieb ein Moment, in dem echtes Leben die Begrenzungen des Papiers hinter sich lässt und eine Möglichkeit hat, authentisch zur Sprache zu kommen. Und zwar, wenn sie gut geleitet wird, auch so, dass Menschen das Gefühl haben können, dass ihr Anliegen gehört worden ist. Dieser authentischen Situation soll man eine Chance geben.
  5. Wir überschauen sowieso nicht so genau, was wir mit unseren Worten bewirken – warum also sich nicht dem Heiligen Geist anvertrauen?
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