Archiv für Mai 2007

Kleingruppen und Cluster (3)

Nachdem ich in den ersten beiden Posts über die Organisation unseres Clusters geschrieben habe, kommen hier die Grundsätze, also die Gedanken dahinter. Es wird dann noch einen weiteren Post über Perspektiven und Probleme geben.

Grundsätze der Gruppe „HorizonT“

Wir haben diese Grundsätze vor einigen Jahren so beschlossen. Manches ist vielleicht ein bisschen umständlich formuliert, aber bisher haben sie uns recht gut als Richtlinie gedient. Ob wir unserem Anspruch immer gerecht werden, ist eine andere Frage. Aber die Grundsätze zeigen die Richtung, in die wir gehen wollen.
Die kurzen Erläuterungen dazwischen habe ich jetzt gerade für den Blog geschrieben.

  1. Es geht um ein gemeinsames Entdecken der Nachfolge Jesu und des Lebens im Heiligen Geist.
    „Gemeinsames Entdecken“ – also: wir sind gemeinsam auf der Suche. Was Nachfolge ist, was Heiliger Geist, das steht nicht selbstverständlich fest, sondern muss in unserer Zeit erst wieder neu entdeckt werden.
  2. Es geht nicht um Sammlung und Betreuung der Erlösten, sondern um offensive Durchdringung der Welt.
    Wir wollen keine defensive christliche Kultur aufbauen, in der man bis zum Tod oder dem Ende der Welt
    überwintert. Eine defensive Kultur wird keine Ausstrahlung entwickeln.
  3. HorizonT soll lebensverändernd, bedeutungsvoll und echt sein.
    HorizonT ist kein Hobby, sondern es geht um wirkliche Lebensveränderung. Dazu müssen wir uns echt begegnen.
  4. Wir wollen uns gegenseitig im Alltag begleiten.
    Kommentar unnötig.
  5. Wir wollen Menschen mit dem und für das gewinnen, was wir wirklich sind und tun.
    Also keine Trennung in tolle missionarische Aktivitäten und das dann vielleicht enttäuschende Gruppenleben.
  6. Zur Gruppe sollen jederzeit neue Teilnehmer auf allen Stationen ihrer geistlichen Reise dazustoßen können.
    Und so soll
    auch an ganz normalen Abenden das Programm gestaltet sein.
  7. Wir entwickeln eine befreiende Kultur des christlichen Glaubens. Dazu gestalten wir auch Details bewusst.
    Wir wollen uns hüten vor engen und bevormundenden Stilen, die einige von uns schmerzlich erlebt haben und vor Ritualen, die Selbstzweck geworden sind. „Kultur“ bedeutet: es geht nicht nur um die grundsätzlichen Fragen, sondern die sollen sich auch in den Details der Gruppenkultur ausdrücken. Daran arbeiten wir permanent.
  8. Wir bleiben unabhängig von anderen christlichen Traditionen, aber wir übernehmen alles, was hilfreich und sinnvoll ist.
    Lernen kann man überall. Ganz viel haben wir uns bei den unterschiedlichsten Gemeinden abgeguckt. Aber wir prüfen genau, was zu uns passt und was nicht. Wir sind nicht die Ortsgruppe von Bewegung XY.
  9. Wir wollen mit Jesus Schritt halten – deshalb reflektieren wir regelmäßig den Weg der Gruppe und wollen flexibel bleiben.
    Wir wissen, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Wir wollen Innovation in die Gene der Gruppe einbauen. Deshalb besprechen wir immer wieder den Weg der Gruppe im ganzen Cluster und in den Teams.

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Kleingruppen und Cluster (2)

In einem ersten Post hatte ich eine Übersicht über die bei uns entwickelte Form eines Clusters (Bündelung von Kleingruppen) gegeben. In diesem Post stelle ich die unterstützende Infrastruktur im Hintergrund dar.

Leitung

Wie jede Gruppe braucht auch HorizonT eine Leitungsstruktur. Zentrales Leitungsorgan ist bei uns das kleine Team, das aus etwa 5 Mitgliedern besteht. Das Team ist vor allem zuständig für die Beobachtung der Gruppenentwicklung und die Planung. Wir verbringen viel Zeit damit, mögliche Entwicklungspfade zu diskutieren und neue Impulse zu finden, die wir dann in die Gruppe hineingeben. Natürlich geht es auch immer mal wieder um Organisatorisches, aber diesen Teil versuchen wir zu minimieren. Stattdessen überlegen wir lieber, wie wir die Prozesse in der Gruppe so einfach und übersichtlich gestalten, dass die Organisation von allein klappt. Weiterlesen ‚Kleingruppen und Cluster (2)‘

Kleingruppen und Cluster (1)

Ich hatte im letzten Post ein Cluster-Konzept aus Sheffield übersetzt, das ich interessant fand, weil wir bei uns – ohne den Begriff zu kennen – auch so etwas wie ein Cluster-Konzept entwickelt haben. Durch den Kommentar von Simon erfuhr ich jetzt von anderen Cluster-Erfahrungen und möchte nun noch einmal unser Konzept etwas deutlicher beschreiben.

Probleme mit Kleingruppen

Ausgangspunkt war bei uns die übliche Kleingruppen-Erfahrung: wachsende Kleingruppen werden irgendwann zu groß, und dann schrumpfen sie wieder oder wachsen wenigstens nicht mehr. Außerdem werden sie mit der Zeit unbeweglich. Der übliche Ratschlag für so eine Situation ist das Teilen der Gruppe: es entstehen zwei Gruppen, die dann wieder wachsen, bis sie so groß sind, dass sie wieder geteilt werden.
Manchmal funktioniert dieses Konzept wohl auch. Ich habe es jedenfalls jahrelang brav probiert. Wir hatten damit aber fast immer Probleme:

  • meistens lässt sich so eine Gruppenteilung nur mit einem gewissen Maß an Gewalt durchdrücken, weil Menschen an den Beziehungen in ihrer Kleingruppe hängen
  • bei solchen Teilungen verliert man fast immer Menschen (aus den verschiedensten Gründen)
  • die neuen Gruppen entwickeln schnell ein Eigenleben, und es ist schwer, sie dann punktuell wieder zusammen zu bekommen
  • es stehen nicht immer genügend neue Gruppenleiter zur Verfügung (mein ursprünglicher naiver Optimismus, dass Gott die schon schicken würde, hat den Praxistest nicht bestanden – vielleicht funktioniert das ja in anderen Umgebungen)
  • für die Gruppenleiter ist das dann notwendige Koordinierungstreffen eine weitere Terminbelastung – und sie sehen nicht unbedingt, was ihnen das bringt; ein individuelles Coachung ist bei solchen Treffen nicht immer möglich
  • wenn ich zusätzlich noch eine individuelle Betreuung der Leiter leisten soll, dann bin ich auch zeitlich überfordert

Als wir dann mit unserer Gruppe „HorizonT“ (eine Art Experimental-Gruppe auf der Suche nach neuen Möglichkeiten) die normale Kleingruppen-Größe überschritten, war für mich deshalb klar: keine weiteren Teilungsversuche. Aber was dann?
Als Antwort entwickelten wir so etwas wie ein Cluster-Modell. Weiterlesen ‚Kleingruppen und Cluster (1)‘

Was sind Cluster?

Ich fand via Marlin bei der St. Thomas‘ Church in Sheffield einen interessanten Artikel über Cluster – eine Organisationsform zwischen Kleingruppe und Ortsgemeinde. Es erinnert mich an unsere Organisationsform bei HorizonT. Bevor ich noch viel erkläre, übersetze ich den Artikel – da steht alles drin. Man beachte aber, dass der Artikel im September 2003 zuletzt bearbeitet wurde.

Was?

Viele Gemeinden haben Kleingruppen oder Zellgruppen (oft informelle Bibelgruppen, die von Freiwilligen geleitet werden) und Versammlungen der ganzen Gemeinde (in der Church of England meist in der festen Form des Kathedralgottesdienstes unter Leitung der Geistlichen). Wir in St. Thomas haben uns bemüht, wieder eine überschaubare Form dazwischen zu finden, in der man Gemeinde leben und erleben kann: eine Gemeinschaft von Christen, die sich zur Mission in der größeren Gemeinschaft, zu der sie gehören, verpflichtet hat; die Leitung liegt in der Hand von Freiwilligen, die von erfahrenen Leitern (einige davon ordinierte Geistliche, aber nicht nur) unterstützt werden.
Cluster bestehen aus Kleingruppen, die die gleiche oder eine ähnliche Vision gemeinsam haben. Oft sind sie aus der Vervielfältigung einer einzigen Kleingruppe hervorgegangen. Eine Gemeinschaft von zwei oder drei Kleingruppen würde man einen wachsenden Cluster nennen, und wenn im Laufe der Zeit die Kleingruppen auf sechs oder acht gewachsen sind, dann entstehen aus dem ursprünglichen Cluster normalerweise zwei neue Cluster.

Warum?

Es scheint, dass Gott Menschen so eingerichtet hat, dass wir uns normalerweise in drei verschiedenen Gruppengrößen versammeln. In der Bibel finden sich etwa im Alten Testament die Familie, der Clan und der Stamm; in den Evangelien das Haus, die Synagoge und der Tempel; und unter den Jüngern Jesu die Gruppen der Zwölf, der Siebzig und der Hundertzwanzig.
In St. Thomas kennen wir diese Gruppen als Kleingruppen, als Cluster und als Gottesdienst [Engl. celebration. Dieses Wort bedeutet hier offenbar mehr als einen Gottesdienst, nämlich so etwas wie eine Sub-Gemeinde. Auf der aktuellen Website der Gemeinde taucht der Begriff jetzt aber nicht mehr auf.]. Die Beziehungen werden um so enger, je mehr man zu den kleineren Gruppenformen kommt; auf der anderen Seite nimmt die Qualität der Inhalte (in Anbetung, Lehre, Kinderarbeit usw.) zu, wenn man zu den größeren Einheiten kommt. Für manche Weiterlesen ‚Was sind Cluster?‘

Stöckchen-Wurf

Peter hat mir eine Umfrage weitergereicht, ein nettes Spiel, bei dem man sich gegenseitig Gelegenheit gibt, ein bisschen mehr von sich selbst zu zeigen. Ich mache gerne mit:

Jobs, die du in deinem Leben gerne getan hättest: Ich wäre gern Programmierer oder Webworker, der die ganze Technik noch wesentlich besser beherrscht.

Filme, die du immer wieder anschauen kannst: „Mit aller Macht“ (Verfilmung von „Primary Colors“, dem Buch über den Clinton-Wahlkampf); „Die Caine war ihr Schicksal“; Matrix 1-3; natürlich die „Herr der Ringe“-Trilogie; „Wie im Himmel“; „Walk the Line“.

Städte, in denen du gerne leben möchtest: Berlin, Göttingen, Ruhrgebiet.

Plätze, an denen du im Urlaub warst: Schweden ist toll, auch Dänemark (aber nur bei schönem Wetter), das Große Meer (Ostfriesland) und die Mecklenburgische Ostseeküste – also alles mit viel Wasser. Und Polen (da ist das Essen so gut).

Deine Lieblingsserien: Ich sehe keine Serien. Nur die Abenteuer von Raumschiff Orion haben mich bleibend beeindruckt.

Plätze, wo du gern gerade wärst: Im Sommer machen wir Stadturlaub in Berlin, da wäre ich jetzt schon gerne.
Alternativ: ein kleines Sommerhaus an einem See mit Bootssteg und Badestelle, Internetanschluss, gemütlichem Sessel und Schreibtisch, gaanz weit weg in der Wildnis, und ein paar nette Leute, die ab und zu zum Diskutieren vorbeikommen. Na gut, man kann nicht alles haben …

Bücher, die du immer wieder lesen kannst oder gerne gelesen hast: Die Narnia-Bücher von C.S. Lewis, überhaupt Lewis; Tolkien sowieso; dann die Horatio Hornblower-Bände von C. S. Forester. Alles von Selma Lagerlöf (s.o. Schweden!). Mit 6-13 Jahren hat mir Karl May viel bedeutet; heute kann ich das nicht mehr nachvollziehen. Danach „Homo Faber“ von Frisch, aber das ist auch schon lange her. Später habe ich „Krabat“ von Otfried Preußler meiner Tochter und mir ziemlich häufig vorgelesen. Den mag ich immer noch.
Merke gerade, dass da fast keine Sachbücher und keine Theologie dabei sind. Also: Bonhoeffer habe ich tatsächlich immer wieder gelesen, vor allem den späten. Und das „Biblische ABC“ von Miskotte.

CDs, die du immer wieder hören kannst: Lieblings-Computerspiele: Immer noch Age of Empires …, Anno 1503

Blogger, denen du das Stöckchen weitergibst: Sandra, Simon

Es regnet …

Nach vielen Wochen Frühsommer im April regnet es heute wieder. Peter Aschoff macht sich Gedanken, ob sich unsere Einstellung zum Regen in Zukunft wandeln wird und wir Christen demnächst auch wieder um Regen beten werden/müssen.

Bei ihm findet man auch einen Link zu einem Artikel über den neuesten Klimabericht der UNO mit den verschiedenen wissenschaftlichen Kommentaren dazu.
Besonders interessant finde ich das Phänomen der „Kipp-Punkte“, die sich mit den bisherigen Rechenmodellen sehr schlecht voraussagen lassen. Eine bisher überschaubare und stetige Entwicklung kann sich (durch Rückkopplungsfaktoren) auf einmal dramatisch und unumkehrbar beschleunigen. Solche Kipp-Punkte können negative und positive Auswirkungen haben. Und sie können sich natürlich auch gegenseitig beeinflussen. Das bedeutet, dass im ganzen Bereich des Klimawandels über die grundsätzlichen Trends hinaus eigentlich gar nichts wirklich berechenbar ist.

Aber was heißt das? Weder positiver noch negativer Fatalismus ist realistisch:

  • Wir können uns weder darauf verlassen, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen,
  • noch kann man behaupten, dass wir jetzt sowieso nichts mehr ändern können.

Die Situation ist wirklich offen, und das bedeutet letztlich, dass es tatsächlich um das „Beten (auch um Regen) und das Tun des Gerechten (im Kleinen und im Großen)“ geht. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte sich nicht an schwankenden Prognosen orientieren, sondern an  geistlichen Zusammenhängen: Gott ist kein zeitloses Fatum, sondern er wartet auf unsere Gebete und verantwortlichen Taten.

Ich denke, es wird höchste Zeit, Jeremia und andere noch einmal sehr aufmerksam zu lesen.

Seminar zur Globalen Erwärmung

Freitag und Samstag hatten wir von HorizonT aus ein Seminar mit dem Thema „Schöpfung und Globale Erwärmung“. Es sieht so aus, als ob wir noch einmal neu überlegen müssen, was die kommenden Veränderungen des Weltklimas auch für uns als Gemeinschaft bedeuten.

Mir ist vor allem wichtig geworden, dass wir uns selbst und die Menschen um uns herum vor jeder Art von Zynismus bewahren müssen. Mit Zynismus meine ich: ein Sich-Einrichten im Schlimmen, mit irgendwelchen Argumentationen (von Nicht-wahr-haben-Wollen bis Resignation), die sich alle darin treffen, dass sie uns Umkehr und Engagement ersparen.

Die entscheidenden Probleme sind in den Köpfen (und Herzen) lokalisiert, sie sind geistlicher Art.

Für dieses Seminar habe ich in der vergangenen Woche gearbeitet, deshalb ist es hier mit Bonhoeffer nicht weitergegangen.

Für alle, die sich gewünscht hatten, dass man die Präsentation noch einmal nachlesen kann:
hier ist sie im OpenOffice-Format (1MB)
hier im Power-Point-Format (1,2 MB) für alle die nicht von Microsoft loskommen
hier im Flash-Format (300kB), dann aber ohne die netten Klick-Effekte
Allerdings ist das immer nur das argumentative Gerüst – was ich dazu erzählt habe, war nicht aufgeschrieben.

Eine-unbequeme-WahrheitDer Al Gore-Film („Eine unbequeme Wahrheit“) ist auch sehr zu empfehlen. Gut, wie er auch immer die tieferen Fragen nach der persönlichen Haltung stellt.

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Tiefebene endet – neuer Blog „Walters Werkstatt“

Nach knapp sechs Jahren habe ich diesen Blog eingestellt und eine neue Webpräsenz eingerichtet:
"Walters Werkstatt. Theologie, Politik und Kirche: Texte aus der norddeutschen Tiefebene". Dort werde ich in Zukunft alle meine Texte sammeln. Auch die bisherigen "Tiefebene"-Texte finden sich in Walters Werkstatt..
Also, wenn du von mir lesen möchtest, dann komm in Zukunft dorthin. Hier werden nur noch für eine Übergangszeit Hinweise auf Veröffentlichungen in "Walters Werkstatt" erscheinen.

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