Markus 1,16-20 – Die Ouvertüre: Jesus ist nur der Anfang

Der neue Weg soll offen für andere sein. Das zeigt sich daran, dass Jesus Jünger beruft.

16 Als er aber am Galiläischen Meer entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer. 17 Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! 18 Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. 19 Und als er ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, wie sie im Boot die Netze flickten. 20 Und alsbald rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Boot mit den Tagelöhnern und folgten ihm nach.

Kaum hat Jesus sein Grundsatzprogramm verkündet, da beruft er schon die ersten Jünger. Von Anfang an sorgt er dafür, dass andere auf seinem Weg dabei sind. Das zeigt: sein Leben ist nicht exklusiv. Es ist auf Ausdehnung angelegt; wir sollen nicht nur seine Früchte bekommen, sondern an ihm teilnehmen. Wie das neue Leben in den Jüngern Wurzeln schlägt und wie Jesus daran arbeitet, das ist ein Hauptstrang der Erzählung.

Dies alles spielt sich ab in Galiläa, an der Grenze Israels, wo die ganze Lage offener ist, uneindeutiger, vermischter. Die griechisch-hellenistischen Einflüsse sind stark. In Sepphoris, keine sechs Kilometer von Nazareth, gab es ein Theater mit 5000 Plätzen, in dem vermutlich – in Ermangelung anderer Stoffe – griechische Stücke gespielt wurden. Die Straßenverbindungen waren gut. Waren, Nachrichten und Ideen reisten schnell. Jesus kam nicht aus einer verschlafenen Provinz. Vermutlich sprach er drei Sprachen. Er hatte das jüdische Bildungssystem durchlaufen, das für eine breite und gute Volksbildung sorgte. Damals war es wahrscheinlich das weltweit beste.
Aus Jerusalemer Sicht war Galiläa zwar ein fragwürdiges Grenzland. Man könnte es aber genauso auch als weltoffen, pluralistisch und multikulturell bezeichnen. Auf jeden Fall war es politisch eine Gemengelage mit verschiedenen Herrschaften, Volksgruppen, Interessen. So ein Durcheinander geht oft mit besonderer Kreativität einher – nichts ist selbstverständlich. Jeder muss sehen, wie er sich sein Lebenspuzzle zusammensetzt. Die Gegend war eine Zone, in der sich Neues entwickeln konnte, ohne gleich von der dominierenden Macht abgewürgt zu werden. Von Jerusalem aus Provinz – aber auch: das Abseits als sicherer Ort.

Seine ersten Jünger kommen übrigens nicht aus dem Kreis der „Mühseligen und Beladenen“. Als Fischer gehören sie eher zum wohlhabenden Mittelstand. Fisch aus dem See Genezareth wurde – gepökelt – bis nach Rom transportiert. Die üblichen Fischerboote waren keine primitiven Kähne, sondern sorgfältig gebaute Modelle für eine Besatzung von etwa 14-16 Personen. Zebedäus arbeitete deshalb nicht nur mit seinen Familienangehörigen, sondern auch mit Lohnarbeitern. Es gehörte einiges dazu, so einen mittelständischen Betrieb zu führen. Man musste nicht nur etwas von Fischen verstehen, sondern auch von Handelswegen, politischen Entwicklungen und Menschenführung. Johannes‘ und Jakobus‘ Lebensperspektive war, das väterliche Geschäft zu übernehmen. Jesus holt sich also gleich am Anfang Unternehmertypen in seine Kernmannschaft.

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