A community called atonement – Kapitel 8

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Kapitel 8: Stationen der Sühne/Versöhnung: Inkarnation – der zweite Adam

Die crux-sola-Theologie tendiert dazu, das Leben Jesu zu ignorieren und sich auf seinen Tod zu konzentrieren. Der trinitarische Gedanke der Perichorese betont dagegen die Inkarnation, und durch die gegenwärtige Jesus-Forschung wird diese Tendenz gestärkt. Inkarnation bedeutet: Gott identifiziert sich mit den Menschen, damit wir an Gott teilhaben können (2. Petr. 1,4).
Inkarnation als Identifikation mit den Menschen
Der Name Jesus hat die Bedeutung „Gott mit uns“. Das weist hin auf die Identifikation Jesu mit uns um der Befreiung willen. Seine Identifikation mit uns soll uns zu Gott bringen. Die Inkarnation selbst, als Inbegriff des irdischen Lebens Jesu, ist ein sühnend/versöhnendes Element.
Die Versuchungen Jesu
In der Versuchungsgeschichte Jesu geht es nicht um Methoden, mit Bibelsprüchen Satan abzuwehren. Es geht um die Wiederholung einer vermasselten früheren Situation, entweder der Paradies/Versuchungs- Geschichte aus 1. Mose 3 oder der Prüfungszeit Israels in der Wüste. McKnight entscheidet sich für das Letztere [wobei es da m. E. auch gute Gründe für die erste Möglichkeit gibt, aber vielleicht muss man das gar nicht alternativ sehen]: Jesus wiederholt die Geschichte Israels und revidiert das Versagen in der Wüstenzeit. In ihm und mit ihm beginnt ein neues Volk, das die Wüstenprobe siegreich besteht.
Es gibt weitere Themen, bei denen ein Zusammenhang zwischen Inkarnation und Sühne/Versöhnung deutlich wird:
Jesus, das perfekte Bild Gottes
So wie Adam und Eva zum Bild Gottes bestimmt waren, ist nun – wie Paulus es wiederholt ausführt – Jesus das wirkliche Bild Gottes geworden. Es gehört zum Erlösungsplan Gottes, Menschen in dieses Bild hinein zu verwandeln.
Jesus, der zweite Adam
Ebenfalls Paulus beschreibt Jesus als zweiten Adam: was Adam anrichtete, macht Jesus über die Maßen gut. Sein Leben stoppt den tödlichen Einfluss, dem Adam die Tür geöffnet hatte. Denn sein ganzes Leben, einschließlich des Kreuzes, war ein Leben des Gehorsams. Aus dieser Identifikation mit uns wächst Sühne/Versöhnung.
Übrigens, Jesus wird nicht als zweiter Abraham bezeichnet, d.h., hier wird der ganzen Menschheit ein neuer Start geschenkt.

Die „Unio cum Christo“ (Einheit mit Christus)
Bei all diesen von der Inkarnation geprägten Gedanken geht es immer wieder um eine Einheit mit Jesus, durch die er uns in sein Leben aufnimmt. Dadurch wird im Gegenzug sein Leben zu unserem. Weisheit und Gerechtigkeit und Heiligung und Erlösung (1. Kor. 1,30) und alles andere, was ihm gehört, wird unser. Dieser Gedanke der Einheit mit Christus beschreibt Sühne/Versöhnung als Beziehungsgeschehen.
Leider haben das viele reformierte Theologen übersehen. Dagegen ist – mit D. A. Carson – festzuhalten, dass die Imputatio (also die den Nachfolgern Jesu zugerechnete Gerechtigkeit) nicht der Unio cum Christo (also der Einheit mit Jesus) konträr ist. Vielmehr ist die Gemeinschaft mit Christus gerade die Voraussetzung für die Zurechnung der Verdienste und Güter Christi.
Schließlich ist Philipper 2,5-11 die wohl vollständigste Beschreibung des Versöhnungshandelns Gottes in Jesus. Auch hier werden Inkarnation und Erlösung verbunden. Es geht hier um das Leben der christlichen Gemeinschaft, die lernt, nach dem Vorbild Jesu zu leben. Dieses Vorbild bestand in seiner Identifikation mit Menschen bis zum Tode am Kreuz. Das ganze Leben Jesu war darauf ausgerichtet, dass zerstörte Ebenbilder in Gottes Ewigkeit gelangen können und bis dahin auf Jesu Art leben.

Sühne/Versöhnung beginnt in der Perichoresis (dem gemeinschaftlichen Leben der Dreieinigkeit), die Gestalt annimmt in Jesus, dem Sohn Gottes, dem Logos, der die menschliche Wirklichkeit bis zum Tode am Kreuz annimmt, damit wir in diese Perichoresis hineingezogen werden. Dieser ganze Weg Jesu ist der Kontext des Geschehens am Kreuz. Deshalb ist eine auf das Kreuz beschränkte Theorie über Sühne/Versöhnung unbiblisch.

4 Responses to “A community called atonement – Kapitel 8”


  1. 1 Doxadei 11. Januar 2008 um 08:32

    Super Artikel. Ganz im Sinne von Augustinus von Hippo. Deine Gedanken bestätigen die Vision eines Professors von mir, dass der Hl. Geist uns unmerklich, aber sicher zu EINEM Glauben zusammenführt. Da bewegt sich was.

  2. 2 johanna 17. Februar 2008 um 17:20

    was sagst du zu der theorie, dass jesus gar nicht haette am kreuz sterben muessen, sondern es gereicht haette, wenn die gesamte menschheit sich vor ihm gebeugt und ihn angebetet haette? die behauptung hat eine aus meinem team mal aufgeworfen. wir haben aber eigentlich alle dagegen gestimmt…

  3. 3 tiefebene 24. Februar 2008 um 22:19

    @Johanna:
    Schön, dass du auch aus der Ferne hier vorbeischaust! Sorry, dass meine Antwort so lange gedauert hat, es war immer so viel Stress. Also, Grüße nach Addis Abeba!
    Zur Sache: Ich glaube, diese Frage ist eine von den theoretischen (was wäre wenn …), die die Bibel nicht beantwortet. Man könnte immerhin sagen: Aufgrund des Zustandes der Welt war es überhaupt nicht zu erwarten, dass die Menschheit als Ganze zu Jesus gefunden hätte. Wie die Dinge nun mal liegen, musste es einfach den Konflikt geben, der dann im Kreuz kulminierte.
    Wenn aber die Menschheit ganz einfach nur positiv auf Jesus reagiert hätte, dann wäre tatsächlich das Kreuz unnötig – aber das würde bedeuten, dass anscheinend der Sündenfall (noch) nicht geschehen wäre (so viele Konjunktive!).


  1. 1 [depone] | Daniel Ehniss » Blog Archive » A Community Called Atonement Trackback zu 10. Januar 2008 um 23:51

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