Archiv für März 2008

A community called atonement – Kapitel 9

Übersichtsseite zum Buch von Scott McKnight

Kapitel 9: Stationen der Sühne/Versöhnung: Das Kreuz

Jede Theorie über Sühne/Versöhnung muss die zentrale Stellung des Todes Jesu und das sühnend/versöhnende Potential des Kreuzes berücksichtigen. Es muss aber mit den anderen Stationen des Heilsgeschehens verbunden werden, um Verkürzungen zu vermeiden.

Das Kreuz bei Markus

Das Kreuz thematisiert die Gefangenschaft der Welt unter dem Bösen, und zwar auf drei Ebenen:

  • der geistliche Widerstand gegen die Präsenz des Sohnes Gottes unter den Menschen
  • der menschliche Widerstand gegen die Taten Jesu
  • der politische Widerstand gegen seine politische Wirkung

Diese drei Ebenen haben ihren Schnittpunkt im Kreuz. Dort konzentriert sich der Widerstand, der Gottes Rettungswerk zu verhindern versucht. Aber auf diese Weise stellt Gott die Mächte des Bösen und bricht ihre Macht.

Paulus und das Kreuz

Im Kreuz identifiziert sich Jesus mit unserem Leiden, unserem Schmerz und unserem Tod. Dem zentralen Text Römer 3,21-26 entnimmt McKnight die Gesamtsicht, dass im Kreuz zerstörte Bilder Gottes wieder in ein Verhältnis zu Gott gebracht werden, ihnen vergeben wird, der Zorn Gottes von ihnen abgewendet wird und sie in eine Gemeinschaft integriert werden, wo sie wiederhergestellt werden. Dies alles geschieht durch das Vertrauen auf Jesus, der Gottes Treue zu seinen Verheißungen verkörpert.
Zwei Themen aus dieser Zusammenfassung werden nun noch genauer untersucht:

Rechtfertigung und Zorn Gottes

In der Rechtfertgung wird ausgesprochen, dass Menschen in Ordnung gekommen sind und nun zu Gottes Volk gehören. Rechtfertigung umgreift die Auslöschung von Sünde und die Erschaffung eines neuen Gottesvolks in Christus. Dieses Geschehen ist ein Akt der Gnade Gottes, so wie auch der Zorn Gottes aus seiner eifersüchtigen Leidenschaft für seine verirrten Ebenbilder erwächst.
Für McKnight ist es ein Irrweg, den Zorn Gottes in einen unpersönlichen Tun-Ergehens-Zusammenhang aufzulösen. Vielmehr muss auch Gottes Zorn aus seiner leidenschaftlichen Liebe zu den Menschen verstanden werden, für die er sich nicht mit weniger als dem Besten zufriedengibt. Sein Zorn ist die Rückseite seiner Liebe.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Gott in Jesus

  • „mit uns“ stirbt, indem er in unsere Situation eintritt und einen neuen Weg findet;
  • „an unserer Stelle“ stirbt, indem er unsere Situation übernimmt; und
  • „für uns“ stirbt, indem dieses Geschehen das Alte ausräumt und einen neuen Weg eröffnet.

Dies alles hat ein vom Kreuz gestaltetes Leben zum Ziel.

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Nervige Feststelltaste

Heute mal ein erfreulicher Abstecher in ein ganz anderes Gebiet: schon immer hat mich die fESTSTELLTASTE auf der Tastatur meines Haupt-Handwerkszeuges genervt. Eine Zeitlang habe ich sie mit Knete (ja, ich meine die, mit der die Kinder spielen) stillgelegt. Aber das ist auf die Dauer doch doof.
Nachdem jetzt Florian Steglich beschrieben hat, wie man diese nervige Störungsquelle auf dem Mac stillegen kann, habe ich mich auf die Suche gemacht, wie das auch unter Linux möglich ist (die Einstellungen bei OpenSuse haben das nie geschafft). Und siehe da, es steht bei Wikipedia und ist ganz einfach:

In der Datei /etc/X11/Xmodmap (systemweit, du musst Root-Rechte haben) oder in deinem Home-Verzeichnis in ~/.Xmodmap (auf Benutzerbasis) nur zwei Worte eintragen:

clear Lock

und das Ding ist mausetot (wenn nicht, den nächsten Neustart abwarten).

Übrigens, für alle, die noch Tribut nach Redmond Lizenzgebühren an Microsoft zahlen: auch für Windows (ab Windows 2000) findet sich eine entsprechende Anleitung bei Wikipedia.

Nein, wir haben keine Bibelgruppen

Ryan Bell hat auf dem Allelon-Blog „The Missional Journey“ die Probleme der traditionellen Bibelstudien-Gruppen beschrieben und überlegt, was in seiner Gemeinschaft an deren Stelle treten könnte.

Er geht von der Beobachtung aus, dass man in solchen Gruppen normalerweise austauscht, was man so denkt, „was der Text bedeutet“. Die Frage, was der Text eigentlich erreichen sollte (bei Jesus oder gar bei den Evangelisten), taucht kaum auf. Und was er aktuell bei seinen Lesern erreichen soll, diese Frage stellt sich auch nicht. Es geht nur um Information, aber nicht um Formation. Die Folge: Langeweile und Frustration.

Was tritt in Bells Gemeinschaft an die Stelle von Bibelstudiengruppen? Sie arbeiten dort mit „missional action teams“, die danach fragen, was Gott für ihre Nachbarschaft bedeutet. In diesem Zusammenhang wird es lebensnotwendig, in der Bibel zu leben. Solche Teams entwickeln eine „missionale Hermeneutik“. Dazu gehört etwas, was sie „dwelling in scripture“ nennen, also ein „Bewohnen“, ein In-der-Bibel-leben. Manche Gruppen haben zwei Jahre lang mit einer bestimmten Passage gelebt und sich immer wieder gefragt: „wie formt dieser Text uns als Volk Gottes, damit wir in unserem Ort seine Zeugen sein können?“ Damit bekommt der Text eine ganz andere Verbindlichkeit. Und genauso entsteht eine Verbindlichkeit unter denen, die sich entschlossen haben, gemeinsam Volk Gottes vor Ort zu sein.

Wenn die Bibel so gebraucht wird, dann – so haben sie es jedenfalls erfahren – rücken sehr elementare Texte wie die Bergpredigt, die Aussendung der Jünger oder die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Brunnen in den Vordergrund.

Es bleiben Fragen: wie geht man mit der Bibel um in einem Kontext von biblischen Analphabetentum? Wie öffnet man denen einen neuen Weg zur Bibel, die aus ihrem christlichen Hintergrund schon jede Menge Bibelinformationen mitbringen, aber ein ganzes Christenleben lang nur die „informative“ Art des Bibelstudiums kennengelernt haben? Und wie hilft man Neubekehrten, erst gar nicht damit anzufangen?

Ich finde das sehr wichtige Fragen und Anstöße. Auch für uns muss es eine missionale Hermeneutik geben. Erst im Zusammenhang von Praxis wird die Bibel ihre wirklichen Qualitäten entfalten.

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Christen und das Kreuz

Unser Gottesdienst gestern stand unter dem Thema „Christen und das Kreuz“. Die Teilnehmer des Ü10-Gottesdienstes am Samstag vorher hatten die Kirche mit einem großen Kreuz und Bildern von heutigem Leid und gegenwärtiger Zerstörung gestaltet – von Hurricans über die Ausrottung von Tierarten bis zur Todesstrafe.

Benny, Rene und Tom zeigten am Anfang eine (ein bisschen gewalttätige) Szene, die aus Markus 3,27 heraus entwickelt war: man kann die Kunstgegenstände im Haus eines Schwergewichtsboxers erst klauen, wenn man den Besitzer vorher irgendwie außer Gefecht gesetzt hat. Da redet Jesus selbst davon, dass es eine entscheidende Begegnung gab, bei der die Machtfrage geklärt wurde. Anschließend konnte er (und später seine Jünger, wir) dann den Einfluss des Bösen an vielen Stellen zurückdrängen. Es gibt also eine einmalige, strategische Entscheidung, die erst einen Raum öffnet, in dem man dann der konkreten Zerstörung entgegentreten kann.

Direkt im Anschluss ans Credo sang unser Musikteam ein modernes Glaubensbekenntnis.

Im folgenden Predigtteil habe ich um das Kreuz und die Bilder ein Absperrband herumgelegt, als Zeichen dafür, dass niemand freiwillig diese Zone von Leid und Gefahr betreten möchte.

Etwas später bekamen alle einen Stein – nicht zum Aussuchen, sondern zugeteilt: als Symbol für unseren Anteil am Schweren in der Welt, den wir uns nicht aussuchen können. Die Anteile sind unterschiedlich groß, sie sehen so unterschiedlich aus und fühlen sich so unterschiedlich an wie die Steine. Keiner weiß, wieso er gerade diesen Anteil bekommen hat. In einer Zeit der Stille konnten alle ihrem Stein einen Namen geben – ihn verbinden mit dem Bedrückenden, Belastenden oder Beängstigenden in ihrem Leben.

Anschließend waren alle eingeladen, ihren Stein zum Kreuz nach vorn zu bringen. Aber das bedeutete auch, die Linie zu übertreten und Jesus zu folgen in den dunklen Bereich der Welt. „Sich für Jesus zu entscheiden“ ist nicht zu haben ohne Nachfolge in diesen dunklen Bereich hinein. Auch wer tröstet oder hilft, bleibt davon nicht unberührt.

Es war schön, dass dann viele gekommen sind.

Auf dem Weg zurück bekamen sie von den den dreien aus dem Ü10-Gottesdienst eine „Medaille“, mit dem Kreuz auf der einen und dem leeren Grab am Auferstehungsmorgen auf der anderen Seite. Sie soll als Erinnerungszeichen dienen: damit wir in der kommendenZeit darauf achten, was aus den Dingen geworden ist, die wir zum Kreuz gebracht haben.

Mit einem Gebet haben wir den Predigtteil beschlossen.

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Karwoche mit N.T. Wright

Ostern in einem Verlierergebiet der Globalisierung

N.T. Wright, anglikanischer Bischof von Durham, war in der Karwoche 2007 zu Gast in einer von Deindustrialisierung und Niedergang gezeichneten Gemeinde seiner Diözese, Easington Colliery. Täglich hat er dort eine Predigt gehalten. Dabei herausgekommen ist eine kurzgefasste Kreuzestheologie und gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie gelebte Theologie in Zeiten der Globalisierung aussehen kann:


N.T. Wright:
Christians at the Cross
Finding Hope
in the Passion,
Death
and Resurrection
of Jesus
2007

Ein vierstimmiges Lied

Wright beschreibt seinen Weg mit der Gemeinde durch die Karwoche als eine Einübung in einen vierstimmigen Liedsatz. Da ist einmal die Melodiestimme, der Sopran: das ist die Leidensgeschichte Jesu (in diesem Fall hauptsächlich nach dem Johannesevangelium). Aber diese Melodie wird grundiert und gestützt von der Bassstimme, dem Alten Testament, in dieser Predigtreihe vertreten vor allem durch die Gottesknechtslieder aus dem Buch Jesaja. Wenn man die Passionsgeschichte ohne diese Grundierung liest, wird man sie vom falschen Kontext her verstehen, auf jeden Fall nicht vollständig.

Zwischen Bass und Sopran liegen noch Tenor und Alt. Der Tenor steht für den Schmerz und die Trauer in unserer Welt: für die Zerstörung von Gemeinschaften und sozialen Netzen durch die Globalisierung, für Armut, Gewalt, Drogen und Unsicherheit, die seit der Schließung der Zeche 1993 auch in Easington Colliery Einzug gehalten haben. Für Unglück und plötzliche Katastrophen wie das Grubenunglück von 1951.

Wrights Ansatz: wenn es gelingt, diese Stimme innerhalb des ganzen Liedes zu hören, dann gibt es Hoffnung, auch für sehr desolate Verhältnisse. Schmerz und Sorgen können sich auf eine nicht voraussagbare Weise verändern, wenn sie mit dem Kreuz Jesu in Verbindung gebracht werden.

Schließlich die Altstimme: das ist unser persönliche Geschichte, die wir einzubringen haben in das Lied. Der Alt steht selten im Vordergrund, aber ohne ihn fehlt dem Ganzen etwas, und manchmal hat er eine ganz besondere Aufgabe. Die Karwoche ist eine Einübung, unsere ganz persönliche Melodie im Einklang mit Gottes Melodie zu singen.

So wird dieses Bild eines vierstimmigen Chorsatzes eine Hermeneutik im Kleinen.

Der Beitrag der Bassstimme:

Aus dem Alten Testament lernen wir: Gott will die Welt nicht zerstören und dann wieder ganz von vorne anfangen. Er will die Welt heilen. Dazu hat er sein Volk befreit und das Passafest eingesetzt. Dazu sendet er seinen Knecht, der auf neue Art Gottes Projekt verfolgt. Und deshalb sollen Christen auf seine Art den Gemeinschaften dienen, in denen sie leben. Nicht mit lauten Propagandaaktionen, sondern indem sie demütig und dienend Licht in die dunklen Zonen der Welt bringen.

Der Beitrag des Tenors:

Wenn wir den Schmerz einer Gemeinschaft wie Easington Coliery und die Trauer unseres Herzens in die Leidensgeschichte Jesu hineinbringen, dann werden sie auch Anteil haben an dem Sieg Jesu. Aber wir wissen vorher nicht, wie Gott das Neue hineinbringen wird.

Die Melodie des Soprans:

Die Sünden, für die Jesus starb, waren kein abstrakter theologischer Begriff. In der Passionsgeschte sind die schlimmsten menschlichen Sünden fast vollständig vertreten. Jesus ertrug das Schlimmste, was das Böse einem Menschen antun kann. Aber er hat bis zuletzt mit Liebe geantwortet.

Der Beitrag der Altstimme:

Durch Jesus können wir vermeiden, auf das Böse mit Bösem zu antworten, zynisch zu werden oder uns in eine Opferhaltung bringen zu lassen. Wir können frei von dem werden, was man uns angetan hat. Das ist Vergebung.

Gründonnerstag – Einsetzung des Abendmahls:

Die Eucharistie ist ein Vollzug, der diese Wahrheiten verkündigt (1. Korinther 11,26), und damit ist nicht gemeint, dass das eine gute Gelegenheit wäre, um eine Predigt zum Thema zu halten. Der Vollzug selbst verkündet. In der Karwoche 2007 gab es in Easington Colliery auch die Möglichkeit, Sorgen und Leid auf Zettel zu schreiben, die in einem Korb gesammelt und am Karfreitag zum Kreuz gebracht wurden. Aber in erster Linie ist die Eucharistie das Symbol, in dem dieser Zusammenhang ausgedrückt wird (ein Gedanke, dem ich unbedingt nachgehen möchte).

Karfreitag – der Punkt, auf den alles zuläuft:

Jesaja 53 erzählt eine Geschichte von Gewalt und zerstörtem Menschsein. Aber es ist auch ein Lied über die Frucht des Leidens und Gottes Neuanfang mitten in Dunkelheit und Sinnlosigkeit. Und wenn Johannes die Kreuzigung Jesu beschreibt, dann steht in der Mitte das Wort Jesu: „es ist vollbracht“. So wie Gott am sechsten Schöpfungstag sein Werk abschloss, so beendet Jesu am sechsten Tag der Woche sein Rettungswerk. Gott kam in unser Chaos, hielt bei uns aus und brachte uns so die neue Schöpfung. Dieser Sieg muss jetzt umgesetzt werden (im Englischen hat Wright dafür das treffende Wort „implemented“).

Ostern – der Tag des Sieges:

Zu viele Christen haben Ostern so verstanden, dass Jesus auferstand und in den Himmel ging, und so wäre auch unser Ziel der Himmel bzw. das Paradies. Aber der Himmel bzw. das Paradies ist ein heller Tunnel zum neuen Himmel und zur neuen Erde. Und in Jesu Auferstehung ist schon ein Stück dieser neuen Welt hierher zu uns gekommen. Da ist jemand aus der Zukunft zu uns gekommen und sagt uns, dass wir besser aufstehen und an die Arbeit gehen sollten, weil eine neue Welt angebrochen ist. Wir sollen dafür sorgen, dass sich die neue Schöpfung in der alten ausbreitet. Dazu lassen wir alles Dunkle und Böse am Kreuz zurück.

Dieser kurze Abriss schöpft das Büchlein (80 Seiten) nicht annähernd aus. Besonders die starken lokalen Bezüge machen das Besondere aus und sind eine Ermutigung, selbst welche zu finden. Das Buch bietet einen Abriss der zentralen christlichen Themen in Wrights inspirierender Sicht. Ich werde mit ihm die Passionszeit und Ostern gestalten und habe für eine Predigt am 2. März schon hemmungslos daraus geklaut. Ich kann das Buch nur empfehlen. Hoffentlich findet sich mal ein Verlag, der eine deutsche Übersetzung herausbringt. Aber Wrights geschliffene, mit trockenem Humor gewürzte Sprache ist im Original natürlich ein – vielleicht unübersetzbarer – Genuss.


Tiefebene endet – neuer Blog „Walters Werkstatt“

Nach knapp sechs Jahren habe ich diesen Blog eingestellt und eine neue Webpräsenz eingerichtet:
"Walters Werkstatt. Theologie, Politik und Kirche: Texte aus der norddeutschen Tiefebene". Dort werde ich in Zukunft alle meine Texte sammeln. Auch die bisherigen "Tiefebene"-Texte finden sich in Walters Werkstatt..
Also, wenn du von mir lesen möchtest, dann komm in Zukunft dorthin. Hier werden nur noch für eine Übergangszeit Hinweise auf Veröffentlichungen in "Walters Werkstatt" erscheinen.

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