A community called atonement – Kapitel 14

Übersichtsseite zum Buch von Scot McKnight

Kapitel 14:
Welches Modell trifft es am Besten?

Hier kommt nun die Lösung, auf die das ganze Buch bisher zugesteuert ist. McKnights Vorschlag für ein übergreifendes Modell, in das die verschiedenen Theorien zu Sühne/Versöhnung eingeordnet werden können, lautet: Identifikation um der Aufnahme in Jesu Leben willen (identification for incorporation).

Anmerkung zur Übersetzung: Auch hier ist die Wiedergabe im Deutschen schwierig. „incorporation“ drückt treffend aus, dass Menschen in den Leib und das Leben Jesu mit hineingenommen werden sollen (und gleichzeitig klingt in dem Wort auch die Gegenseitigkeit an, nämlich dass Menschen – im Abendmahl – sich Jesus „einverleiben“). „Incorparation“ mit „Einverleibung“ wiederzugeben hätte aber einen problematischen Klang. Es unübersetzt zu lassen und „Inkorporation“ zu schreiben, ist auch keine tolle Lösung.
In diesen Übersetzungsproblemen drückt sich natürlich auch ein Sachproblem aus – in unserer kirchlichen Tradition waren wir immer besser darin, über Jesu Handeln „für uns“ zu reden als über Jesu Handeln „in uns“.
Ich werde einfach diese – schlechten – Übersetzungen abwechselnd benutzen. Oder hat jemand einen Vorschlag für eine bessere Lösung?

Identifikation

Die Menschwerdung Jesu ist Voraussetzung für Sühne/Versöhnung. Jesus teilt unsere Menschlichkeit, aber ohne Sünde. Gott teilt unser Leben, einschließlich der Leiden.

Aufnahme in sein Leben (Incorporation)

Das Ziel der Identifikation Gottes mit den Menschen besteht darin, dass er sie in das neue Leben Jesu, des zweiten Adams, hineinholt. Alles Gute kommt zum Christen durch seine Verbindung mit Christus (am klarsten wird das beim „in Christus“-Thema des Paulus). Diese Verbindung ist die Grundlage von Sühne/Versöhnung. Alle, die in dieser Verbindung leben, bilden die neue Gemeinschaft der wiederhergestellten Bilder Gottes.

Wie passen die einzelnen Bilder für Sühne/Versöhnung in diesen Beutel?

  • Rekapitulation
    Diese Theologie der apostolischen Väter ist im Kern das, was McKnight mit seiner Formel von „identification for incorporation“ auch ausdrücken möchte.
  • Loskauf
    Die Theologie von Lösegeld und Loskauf durch Christus bezieht sich auf einen speziellen Zusammenhang innerhalb des Sühne/Versöhnungsgeschehens: Jesus musste sich dazu den schlimmsten Seiten der Welt aussetzen. Nur so konnte er uns davon befreien. Aber diese Befreiung kommt dann durch Inkorporation zu uns.
  • Genugtuung
    So sehr diese Theorie problematische Seiten hat und so wenig sie geeignet ist, das Ganze von Sühne/Versöhnung auszudrücken: trotzdem gehört sie als ein Element in die „Identifikation um der Aufnahme in sein Leben willen“ hinein. Anselm sah richtig, dass diese auch eine juristische Seite hat: Jesus identifiziert sich mit sündigen Menschen, stimmt Gottes Beurteilung zu und verhilft ihm so zu seinem Recht auf der Erde.
  • Stellvertretung
    Die Identifikation Jesu mit uns braucht auf unserer Seite die Anerkennung, dass er etwas für uns getan hat, was wir nicht tun konnten. Nur so kann es Inkorporation in ihn und sein Werk geben. In 2. Kor. 5,21 ist deutlich, dass Jesus an unserer Stelle zu etwas  gemacht wurde, was er nicht war (Sünde), damit wir werden können, was wir nicht sind (Gerechtigkeit Gottes). Besser wäre aber vielleicht der folgende Begriff der
  • Repräsentation
    Dieses Bild erinnert an den Priester, der sein Volk vor Gott repräsentiert. Es gehört in beide Teile der Bibel hinein. Repräsentation hat eine inklusive Seite (wir sterben und leben mit Christus) und eine exklusive Seite (Christus stirbt und lebt wieder für uns und zu unserem Nutzen). Diese exklusive Repräsentation ist gewöhnlich mit „Stellvertretung“ gemeint.
  • Stellvertretendes Strafleiden (penal substitution)
    Die Probleme dieses Gedankens lösen sich auf, wenn sie in den übergreifenden Zusammenhang eingeordnet und vom Gedanken der Einheit mit Christus her betrachtet werden. Der Kern der Strafe ist biblisch gesehen der Tod. Und diesen Tod starb Jesus für uns, damit wir Anteil haben an seiner Auferstehung in ein neues Leben. Aber auch hier wieder: Stellvertretendes Strafleiden ist nur ein Teil dessen, worum es in Sühne/Versöhnung geht.

Und Abaelard?

Abaelards Lehre war, dass der Tod Jesu eine so starke Demonstration der Liebe Gottes war, dass wir davon motiviert werden, selbst ebenfalls das Kreuz auf uns zu nehmen und anderen zu dienen. Dabei ist es natürlich schwer, noch von einer echten Sühne/Versöhnungslehre zu reden.
Dennoch wäre es besser, die Auseinandersetzungen um die korrekte Metapher für Sühne/Versöhnung zu beenden und lieber zu schauen, welchen Platz am Tisch die jeweiligen Bilder bekommen sollten. Die einzelnen theologischen Begriffe müssen ihren Platz in einer größeren Sicht bekommen, und „identification for incorporation“ ist eine Einladung dazu.

[Somit ist nun das Bild vom Beutel für die verschiedenen theologischen Golfschläger mindestens ergänzt worden vom Bild eines Runden Tisches, an dem alle theologischen Begriffe willkommen geheißen werden und ihren Platz im Gespräch finden. Und McKnight ergänzt an dieser Stelle auch noch das Bild der Violine, bei der es auf das Zusammenspiel aller Saiten ankommt.]

Damit wären eigentlich die theologischen Ausführungen am Ziel. Aber Sühne/Versöhnung ist ja, recht verstanden, gemeinsame Praxis von Menschen und Gott in dieser Welt. Deshalb folgt nun noch ein vierter Hauptteil über „Sühne/Versöhnung als Praxis“.

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1 Response to “A community called atonement – Kapitel 14”



  1. 1 Emerging Church: Social Gospel? at einAugenblick.de Trackback zu 31. Oktober 2008 um 13:37

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