Archiv für Dezember 2008

Zur Wirtschaftkrise – endlich mal was mit Hand und Fuß

Endlich habe ich – via kapeka – eine gute Darstellung der Zusammenhänge der gegenwärtigen Wirtschaftskrise gefunden. Tomasz Konicz hat im Online-Journal “Telepolis” eine dreiteilige Serie über die aktuelle Wirtschaftskrise und deren Hintergründe publiziert.

Teil 1: Das Ende des “Goldenen Zeitalters” des Kapitalismus und der Aufstieg des Neoliberalismus
Teil 2: Explosionsartige Ausweitung der Finanzmärkte in der Clinton-Ära
Teil 3: Von der Immobilienspekulation zum Zusammenbrach der globalen Defizitkonjunktur

Der dreiteilige Artikel selbst ist eigentlich schon zu konzentriert, um ihn hier noch einmal zusammenzufasssen. Ich kann die Lektüre nur unbedingt jedem empfehlen, der in dieser Zeit Orientierung sucht. Es lohnt sich wirklich. Im Kern beschreibt Konicz, wie die Konjunktur der letzten Jahre durch gigantische Verschuldungskreisläufe ermöglicht wurde – und dieses Kartenhaus ist nun zusammengebrochen.

Hier wenigstens ein Zitat:

Die Vereinigten Staaten dienten als ein „Schwarzes Loch der Weltkonjunktur“, in dem die Überschussproduktion der exportorientierten Volkswirtschaften verschwand. An die 20 Milliarden US-Dollar müssen monatlich in den Finanzsektor der USA fließen, um deren gigantische Defizite aufrecht erhalten zu können. Das Handelsdefizit zwischen den USA und China betrug beispielsweise in 2007 über 250 Milliarden US-Dollar. Die Chinesen leihen den USA somit das Geld, damit diese weiter ihre Produkte kaufen können. Somit ist klar, dass die gute Konjunktur der letzten Jahre einfach auf Pump realisiert wurde, insbesondere durch die Verschuldung innerhalb der USA.

Das Finanzsystem der USA erfand schlicht die „Finanzprodukte“, die im Austausch für all die in die Vereinigten Staaten fließenden Waren in alle Welt gingen. Finanziert auf Pump, waren eigentlich alle Teilnehmer an diesen Defizitkreisläufen zufrieden: Die exportierenden Länder hatten einen Absatzmarkt, die USA ihren lang anhaltenden Konsumboom. Die aus Stagnation und der Krise der Arbeitsgesellschaft resultierenden Spannungen und Widersprüche des spätkapitalistischen Weltsystems scheinen ins Nirvana des munter wuchernden Finanzsystems zu verschwinden – bis zum bösen Erwachen.

Vielleicht darf man noch hinzufügen, dass auf diese Weise die USA auf Kosten all der Menschen gelebt haben, deren Anteil am Nationaleinkommen – auch bei uns – seit den 1980er Jahren immer mehr gedrückt worden ist. Aber, natürlich, nicht die amerikanischen working poor.

Also, lest selbst. Und macht euch Gedanken darüber, was jetzt eigentlich zu tun ist. Für mich ist deutlich, dass sich Ungerechtigkeit über kurz oder lang immer rächt. Nur leider nicht immer an den Richtigen.


Tiefebene endet – neuer Blog „Walters Werkstatt“

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