Kontemplative Übungen nach Franz Jalics – praktische Erfahrungen (3)

Sechster Teil einer Reihe zu den Exerzitien nach Franz Jalics
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Seit Beginn dieses Jahres habe ich mich auf die kontemplativen Übungen nach
Franz Jalics eingelassen und lasse euch hier an meinen Erfahrungen teilhaben:

10. Januar
Heute gehe ich morgens los, ich schaffe nur 1/2 Stunde. Wieder in die Wiesen. Ich merke, dass ich in dieser Situation einen Zugang zu einer tiefen Ideenschicht in mir bekommen. Es setzt Kreativität frei. Mir kamen viele gute Ideen, und ich fand es schwer, sie in dieser Situation nicht weiter zu verfolgen. Hinterher kann ich mich aber daran nicht mehr erinnern. Es ist wie in einem Traum, an den man sich nach dem Aufwachen nicht mehr erinnern kann, aber kreativer, klarer.

12. Januar
Herrlicher blauer Himmel mit kleinen Wölkchen, und mein Lieblingsbaum sieht toll aus gegen diesen Hintergrund. Wieder viele gute Ideen gehabt, die ich aber auch alle vergesse. Werden diese Übungen eines Tages dazu führen, dass ich einen leichteren Zugang finde zu meiner kreativen Tiefe? Davon stand nichts im Buch, aber es wäre ja trotzdem nicht schlecht. Mir fällt Jalics‘ Warnung ein, dass man die Übungen nicht machen soll, um zu … (ruhiger, kreativer usw. zu werden). Also werde ich weitermachen und abwarten.
Mein Lieblingsbaum und die Reihe der Bäume an der Fuhse bewegen mich heute ganz besonders, wie sie so schweigend und kahl im Sonnenlicht dastehen. Aber ich weiß nicht, was es ist. Für den Baum finde ich das Wort „majestätisch“, für die Baumreihe am Flüsschen finde ich keins. Manchmal möchte ich weinen, wenn ich sie da so stehen sehe, aber ich verstehe nicht warum.
Erstaunlich, wie viele Menschen mit Hund hier herumlaufen.

13. Januar
Heute an einem Post zu Jalics gearbeitet, deswegen hatte ich keine Zeit, loszugehen. Beides gleichzeitig kriege ich nicht hin.

14. Januar
Heute melden sich dauernd deprimierende Gedanken zur Situation von Kirche, Pastoren und ihren Begrenzungen. Und mir fallen die ästhetisch misshandelten Bäume auf, hässlich geworden durch willkürliche menschliche Eingriffe. Überhaupt, wie hässlich sind fast alle menschlichen Artefakte hier. Und über allem liegt trübes, feuchtes Wetter.
Ich versuche, die Dinge nicht zu Ende denken zu wollen, sondern sie mit der heilenden Präsenz in Verbindung zu bringen.

16. Januar
Es taut. Die Bäume sehen nicht mehr so tot aus. Ein ganz leichter Schimmer von Leben liegt über ihnen.

17. Januar
Immer wieder gute Ideen. Ich muss der Versuchung widerstehen, dieses Rohmaterial während meiner Gänge weiterzudenken, zu verarbeiten und festzuhalten. Manchmal kann ich mich jetzt schon hinterher wieder an eine Idee erinnern.

19. Januar
Heute auf der Rückfahrt zwischen Peine und Klein Ilsede angehalten und in die Natur gegangen. Aber die Gegend dort trägt so deutliche Spuren menschlichen Wirkens, so hässlich. Es ist deprimierend. Ich will zurück zu meinen Bäumen in den Wiesen.

25. Januar
Allmählich ist es Zeit für den Übergang zum 2. Tag (die Übungen sind in 10 Tage gegliedert, wenn man sie an einem Stück macht. Ich mache sie nach und nach, deswegen dauert ein Tag bei mir mehrere Wochen). Aber ich bin so mit Arbeit vollgepackt, ich komme nicht dazu, mich auf den zweiten Tag und die dann nötige Umstellung meines Tagesrhythmus einzustellen.

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