Kontemplative Übungen nach Franz Jalics – praktische Erfahrungen (7)

Zehnter Teil einer Reihe zu den Exerzitien nach Franz Jalics
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Im vierten Monat meiner Übungen bin ich immer noch dabei, auf meine Hände und das, was zwischen meinen Handflächen ist, zu achten. Außerdem  habe ich begonnen, diesen Weg mit unserer Gemeinschaft zu teilen.

1. April
Abends zum ersten Mal in der Gruppe von den Übungen und meinen Erfahrungen damit erzählt. Es scheint lebhaftes Interesse daran zu geben. Vielleicht können wir das ja in Zukunft irgendwie gemeinsam machen.

4. April
Heute erlebe ich einen warmen, lebendigen Zustand in den Händen. Es erinnert mich an Erfahrungen, die ich aus anderen Zusammenhängen kenne. Als junger Pastor fühlten sich meine Hände so ähnlich an, wenn ich mit Hinterbliebenen am Ende eines Trauergesprächs betete. Das hat irgendwann nachgelassen. Und aus charismatischen Zusammenhängen kenne ich ähnliche Empfindungen. Über diese Parallelen denke ich öfter nach: auch wenn es äußerlich große Unterschiede gibt – haben diese Übungen und charismatische Erfahrungen nicht möglicherweise eine ganz ähnliche Funktion? Nämlich Menschen aufzuschließen für das Gegenüber Gott? Könnte es sein, dass es dafür viele Wege gibt, die sehr unterschiedlich profiliert sind, auch unterschiedliche Problemzonen haben, aber doch in ihren besten Vertretern alle in die gleiche Richtung weisen? Ich bin sehr neugierig, wo das alles hinführen wird.
Heute stellt sich bei mir am Ende richtige Lust ein, etwas zu schaffen.

6. April
Heute bin ich dauernd abgelenkt. Überall in meinem Körper klemmt es, drückt es, juckt es. Hartnäckige, störende Gedanken.

14. April
Heute habe ich zwei Einheiten hintereinander geübt, wie es ja eigentlich vorgesehen ist. Der Abdruck dieser Zeit in meinem Gefühl bleibt diesmal länger als sonst. Zwischendurch habe ich mich aber sehr gesehnt, dass die Zeit zu Ende geht und ich anderes tun kann. Ich habe dann dieses Gefühl einfach wahrgenommen und angeschaut, da wurde es besser.

15. April
Heute war ich schrecklich abgelenkt. Dauernd Gedanken, Planungen und Aktivitäten im Kopf. Am Ende bringe ich es mit der Ruhe zusammen und schaue es an, da wird es etwas besser. Sogar Schmerzen im Bauch. Bis zum Ende habe ich es nicht geschafft, richtig in die Hände zu kommen.
Am Abend war das erste Treffen mit der Gruppe derer, die auch die Übungen machen möchten. Ich erkläre ihnen den Grundansatz und schicke sie für die nächste Woche in die Natur.  Was sie wohl jetzt erleben werden?
Dieser Start war schön und hat mir auch am nächsten Tag noch richtig Auftrieb gegeben.

19. April
Heute ist Konfirmation. Wir hatten eine gute Konfirmandenzeit zusammen. Ich möchte die Jungen und Mädchen gut segnen. Ich erinnere mich deshalb im Gottesdienst wieder an meine Hände und die Übungen. Und es ist diesmal ein sehr konstantes Gefühl beim Segnen. Wie soll ich es sagen? Früher wusste ich vorher nicht, wie es sein beim Segnen sein würde. Im Lauf der Zeremonie wuchs meist langsam meine Konzentration und Präsenz. Mir taten immer diejenigen leid, die als erste zum Altar kamen. Diesmal war es von Anfang an gleichmäßig. Ich hatte das Gefühl, dass es für mich (im guten Sinn) nichts Besonderes war, sondern dass ich in dieser Situation ganz zu Hause war. Ich war auf vertrautem Gelände.

28. April
Ich experimentiere mit meiner Sitzhaltung. Irgendwie stimmt da was noch nicht.

29. April
In der Gruppe gibt es erstaunliche Rückmeldungen: jemand ist trotz Heuschnupfen und Pollenflug in die Natur gegangen. Hat mit einer Birke Frieden geschlossen und hat jetzt viel weniger Probleme mit Heuschnupfen. Es steht wirklich nicht alles im Buch.

1 Response to “Kontemplative Übungen nach Franz Jalics – praktische Erfahrungen (7)”


  1. 1 theolounge 22. Juni 2009 um 10:36

    Hallo, wir haben Deinen Newsfeed in unser Online-Netzwerk auf theologen.org aufgenommen. vg theolounge


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